Zwischenrufe aus Übersee

Wie ein Europäer den Alltag an der US-amerikanischen Ostküste erlebt

Dr. Alfons Flatscher

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Alfons Flatscher ist Journalist und Herausgeber, der vor mittlerweile 15 Jahren auf die Idee kam, einen eigenen Verlag zu gründen: Den Report Verlag, der heute zu den führenden B2B-Verlagen Österreichs aufgestiegen ist.
16
Dez
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Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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in USA: Zwischenrufe aus Übersee

US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul interviewt von Sean Hannity"Ron Paul ist extrem", so kommentierten viele konservative TV-Stars die letzte der zahlreichen Diskussionsrunden der republikanischen Präsidentschaftskandidaten, ehe am 3. Jänner tatsächlich die ersten Stimmen in den Vorwahlen 2012 abgegeben werden. Paul ist extrem, weil er als einziger der Kandidaten nicht über ein Bombardment Irans nachdenkt. "Seine Ansichten sind gefährlich", erklärte Mitbewerberin  Michele Bachmann, die lieber heute als morgen gegen das Regime in Teheran vorgehen würde, vorsorglich, schließlich könnten die Perser ja irgendwann zu einer Atombombe kommen.

Unter Republikanern wird man, wie Paul, zum Extremisten, wenn man nicht vorbehaltlos, jeden Militäreinsatz unter welchem Vorwand auch immer gutheißt.

In der gesamten Wahlkampfberichterstattung ist erschreckend, wie sehr die großen Fernsehanstalten in den USA die These von Noam Chomsky, dem Medienwissenschafter, bestätigen, dass sie nichts anderes seien als Sprachrohre des militärisch-industriellen Komplexes. CBS etwa gehört Westinghouse und ist der Sender,  der es geschafft hat, Ron Paul,  jenem Kandidaten der sich für ein Ende der ständigen Kriegstreiberei einsetzt, in einer einstündigen Debatte aller republikansichen Präsidentschaftskandidaten schlanke 89 Sekunden zu Wort kommen zu lassen. Westinghouse ist einer der wichtigsten Lieferanten des Pentagon und an der Spitze des Konzern steht nicht zufällig der frühere Verteidigungsminister Frank Carlucci.

Laut Reichweitenerhebungen beziehen 28 Prozent der amerikanischen Haushalte ihre Nachrichten von NBC, oder einer Schwesteranstalt. Eigentümer ist General Electric, jener Konzern, der von Patriot- über Tomhawk-Raketen zu Tarnkappenbombern alles produziert - beste Produktbewertungen inklusive. Eine Legion von Militärexperten begleiteten auf NBC den Irak-Krieg und sie waren voll des Lobes dafür, wie präzise die Waffensystem der US-Armee funktionierten. Sie kreierten das Bild eines klinisch sauberen Kriegs, das offensichtlich die Fernsehmacher selbst zu glauben begannen. Sean Hannity, der konservative Fox-Kommentator, etwa konfrontierte  den Kandidaten Ron Paul ganz ungläubig: "Haben sie in der Debatte tatsächlich behauptet, dass die USA eine Million Iraker in ihren Feldzügen getötet haben?" Als ihm Paul entgegnet, dass die Zahl vom US-Aussenministerium bestätigt und damit begründet worden sei, dass dies der Preis des Kampfes gegen den Terror sei, reagierte Hannity betroffen und rettete sein Weltbild mit einem herzerwärmenden: "Aber ich glaube fest daran, dass kein Land mehr Opfer gebracht hat  im Kampf für die Freiheit der Muslime....

Die Bomben aus dem Hause der Fernsehanstaltsbesitzer haben halt ein freundlicheres Image und töten für die Freiheit.....

Kriegstreiber unter sich. Republikansiche Präsidentschaftskandidaten schießen scharf gegen Teheran.

 

 


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15
Nov
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Die schauen nur aus wie wir...

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
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…..sind aber ganz anders. Dass sich Amerikaner und Europäer ähnlich seien, ist eine Illusion, die durch die mediale Omnipräsenz genährt wird. Aber da liegt mehr als nur der Atlantik dazwischen....

Nach drei Monaten in einer amerikanischen High School konfrontierte mich mein Sohn ziemlich entgeistert mit seiner neuesten Erkenntnis: „Die Amerikaner schauen nur aus wie wir, sie sind aber ganz anders.“

In Japan oder in China oder in Afrika ist dem Besucher sofort klar, er bewegt sich auf fremdem Territorium in einer fremden Kultur. Die Amerikaner aber scheinen uns so vertraut, so ähnlich, irgendwie sind wir ja mit ihnen sprich ihren Filmen und Serien aufgewachsen und das täuscht darüber hinweg, dass uns Welten trennen

Das Aha-Erlebnis meines Sohnes wurde ausgelöst dadurch, dass sich ein Mitschüler, den er bis dahin für einen ziemlich Vernünftigen gehalten hatte, freiwillig zur Armee meldete, mit 16, nicht etwa um über die Armee zu einer Ausbildung und zu Studienmöglichkeiten zu kommen. Der Schulkollege hat sich zu den Waffen gemeldet, weil er sein Land in Afghanistan, im Irak oder in Libyen verteidigen will und der sanfte Hinweis, dass Landesverteidigung auf fremdem Staatsgebiet ein Widerspruch in sich sei, löst heftige Reaktionen aus. Ein echter Patriot kämpft immer und überall für sein Land.

Die USA geben rund 5 Prozent des BIP für das laufende Militärbudget aus und dazu kommen dann noch die Kosten für die diversen Kriege – rund vier Billionen in den vergangenen Jahren.

Aber von Budgetkürzungen zu reden, ist ein Sakrileg, auch in der alles beherrschenden Diskussion um den gigantischen Schuldenberg. Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten etwa überschlagen sich mit Vorschlägen, welche Ministerien eingespart und welche Programme gekürzt werden sollen, aber der Kriegsapparat steht außer Diskussion. „Wir sind im Krieg“, sagt etwa Rick Perry, der Gouverneur von Texas, der drei Ministerien streichen will (sich aber in der Debatte auf CBS nicht daran erinnern konnte, welche drei das nun seien.) Alle Mittel seien gerechtfertigt, sagt er, und weitere sechs von acht Kandidaten folgen ihm. „Wenn ich Präsidentin werde“, sagt etwa Michele Bachmann, „dann würde ich Waterboarden sofort wieder erlauben“. Bachmann hält bei vier Prozent in den Meinungsumfragen, die Gefahr ist also nicht besonders groß, aber auch die meisten anderen Bewerber halten Folter für ein legitimes Mittel im Kampf gegen wen auch immer. Nur der Texanische Mediziner Ron Paul wirft ein, dass damit internationales Recht verletzt wird und dass die US-Gesetze ebenfalls keinerlei Rechtfertigung fürs Foltern finden. Außerdem: „Es ist unzivilisiert und es gibt keinen Hinweis darauf, dass es von praktischem Nutzen sei.“

Mit einer grundanständigen Aussage wird er zum Außenseiter in einer absurden Runden von Möchte-Gern-Präsidenten.

Der jetzige Oberbefehlshaber Obama ist freilich das große Angriffsziel der Grand Old Party (GOP), aber dafür, dass er einen amerikanischen Staatsbürger und seinen 16jährigen Sohn durch Drohnenangriffe ermorden ließ, kriegt sogar er Applaus. Alles ist recht im Kampf gegen den Terrorismus, sagt der Präsident und selbst die politischen Gegner assistieren. Den moralischen Führungsanspruch haben die USA längst verloren.......


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Sep
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PR-Gags statt Politik

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Heute will Präsident Obama seinen Budgetvorschlag präsentieren. Die New York Times berichtete vorab, Obama wolle drei Billionen US-Dollar einsparen. Das klingt viel, ist es aber nicht. Eigentlich ist es bestenfalls ein PR-Gag.

Irgendwann ist irgendein PR-Profil draufgekommen, dass es einen schlanken Fuß macht, wenn man Einsparungen nicht auf ein Jahr sondern auf zehn Jahre rechnet. Klingt doch gleich viel imposanter.

Wenn Obama jetzt davon redet, er wolle drei Billionen - innerhalb von zehn Jahren - einsparen, dann klingt das beeindruckender als ehrlicherweise auf 300 Milliarden hinzuweisen, die man jährlich weniger ausgeben will.

Die USA lukrieren Steuereinnahmen von rund zwei Billionen im Jahr, aber sie geben 3,5 Billionen aus. Das jährliche Budgetloch beträgt also  1,5 Billionen und wird sich laut Obamas Rechnung auf 1,2 Billionen senken. Oder wenn man das 10-Jahres-Modell anwendet, werden die Schulden um 12 Billionen statt um 15 Billionen zunehmen.

Ob PR-Gags Probleme lösen, darf bezweifelt werden.

 

P.S: 19.9 Obama hat seinen Vorschlag präsentiert und er ist rundum enttäuschend. Offensichtlich hat der Präsident die Absicht Politik zu machen aufgegeben,  er macht stattdessen Wahlkampf.

"Das beste an dem Vorschlag ist" schreibt etwas Jennifer Rubin, Kommentatorin der Washington Post , "dass er völlig irrelevant ist."

Nachdem sich der Präsident selbst aus dem Spiel genommen hat, liegt es am Superkomitee, dass im August eingesetzt wurde, sich um das horrende Schuldenproblem der USA zu kümmern.

Obama begibt sich inzwischen aufs flache Land und tut, was er am besten kann: reden.

 

 


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15
Sep
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Die Euro-Omerta

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Die Nerven liegen blank. Weil die Grünen unter Werner Kofler im Finanzausschluss mehr über den 22 Milliarden Euro Blanko-Scheck wissen wollen, der dem „Rettungsfonds“EFSF“ ausgestellt werden soll, rasseln die Weltbörsen. Wenn einem heimischem Parlamentarier einer kleinen Oppositionspartei solche Macht zugeschrieben wird, weiß man, was es geschlagen hat.

Die Grünen seien keine wahren Europäer, wenn sie jetzt Fragen stellten, verlautet es gleich aus der Regierung. Augen zu und durch!

Auch der deutsche Wirtschaftsminister Rösler erntete wüste Kritik, weil er in einem Welt-Online-Kommentar meinte es dürfe keinen Denkverbote geben und man müsse auch über die Pleite Griechenlands reden können.

Die Sizilianer nennen das Omerta, das Schweigegelübde. Jeder Eingeweihte weiß, was läuft, keiner redet darüber.

Einen Zipfel von dem, was läuft, hat der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner gelüftet, in dem er laut CNBC den Euopäern vorgeschlagen hat, das Konzept des TALF (Term Asset Backed Security Loans Facility) zu übernehmen. Auf diese Art haben nämlich die USA ihr Finanzsystem vor dem Untergang bewahrt.

TALF funktionierte so: Die Zentralbank (Fed) gibt den Banken, sagen wir, einen 200 Milliarden Kredit, nimmt als Sicherheiten Asset Backed Securities (ABS) – also zu dem Zeitpunkt wertlose Papiere – und der Fond übernimmt dafür Haftungen von 20 Milliarden. Mit anderen Worten: wertloses Papier wird im magischen Dreieck von Notenbank, Fonds und Kreditinstitut in gutes Geld verhandelt und zugleich multipliziert, und zwar im Verhältnis 1: 10.

 

Der Vorschlag Geithners ist im Kern, dass der EFSF im Zusammenspiel mit der Europäischen Zentralbank (EZB) genauso vorgehen soll, denn auf diese Weise würden aus den 440 Milliarden, mit denen der Fonds dotiert ist, ganze 4400 Milliarden. Damit wären dann ausreichend Mittel vorhanden, um die Finanzierung jener in der Krise befindlichen Länder sicherzustellen, die noch „kapitalmarktfähig“ seien.

Leverage heißt das Zauberwort, von dem man eigentlich geglaubt hat, dass es verpönt sei, nachdem es 2008 als Ursache der beinahe Kernschmelze des Finanzsystems erkannt wurde.

Die Dotierung des EFSF ist noch nicht einmal von allen EU-Parlamenten beschlossen, und schon läuft die Diskussion, wie man die Mittel „hebeln“ kann.

Was eine Ahnung gibt, wie groß das Loch wirklich ist, von dem niemand reden darf.

Viva la Omerta!

 


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Lasst Athen pleite gehen, jetzt!

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Wer Griechenland helfen will, sollte es in die Pleite gehen lassen – und zwar jetzt. Athen hat sich entschieden, eine merkantilistische Wirtschaft aufrechtzuerhalten, Wettbewerb und Effizienz sind Fremdworte. Unter maximalem staatlichen Einfluss blüht die Vetternwirtschaft und der Klientelismus, so sehr sogar, dass in einzelnen Staatsbetrieben die Personalkosten höher sind als der Umsatz. Dieses System verdient es nicht, gerettet zu werden!

Die Diskussion der Experten geht ja längst nicht mehr darum, ob mit weiteren Hilfszahlungen die Insolvenz zu vermeiden sei, die Frage ist ja nur mehr, wie man verhindern kann, dass Banken mit in den Abgrund gerissen werden.

Nur auch da gilt: irgendwann muss damit Schluss sein, permanent die katastrophalen Folgen von wirtschaftlichen Fehlentscheidungen auf die Gesellschaft – sprich alle Steuerzahler – abzuwälzen. Es ist die Pflicht eines Kreditgebers sich die Bonität seines Schuldners anzuschaun, wenn er das nicht tut, muss er mit den Konsequenzen seiner Handlungen leben. Was die Politik jetzt macht, ist nichts anderes als völlig unverantwortliches Handeln zu fördern. Griechische Anleihen sind attraktiv, weil sie hohe Zinsen bringen und kein Ausfallsrisiko. Die Spekulanten rechnen damit, dass die europäische Politik weder den Mut noch die Konsequenz haben wird Ruchlosigkeit abzustrafen.

 

Und das ist das falsche Signal....

P.S.

"Die Presse" präsentiert am 13. September 2011 Informationen aus dem Finanzministerium, dass eine Griechenland-Pleite Österreich 40 Milliarden Euro kosten würde. Leider wird nicht präzisiert, wie man im Ministerium auf diese Zahl kommt, sondern es wird nur nebulos auf den volkswirtschaftlichen Gesamtschaden verwiesen, (vermutlich wird der Zusammenbruch des Euro gleich mit einberechnet), aber tun wir so, als hätte das Ministerium ernsthafte Annahmen getroffen und nicht nur Drohszenarien entfaltet. Egal ob die Kosten 10, 15 oder 40 Milliarden sein werden - am Ende ist doch die entscheidende Frage, wie wahrscheinlich eine Sanierung Griechenlands ist und wie wahrscheinlich es ist, dass Athen Teile seiner Schulden tilgt. Nützt es etwas, wenn man auf Zeit spielt? Nützt es etwas, wenn die EZB die Notenpressen heiß laufen läßt und griechische Staatsanleihen kauft, frei nach dem Motto Schulden sind kein Problem,  solange es Papier und Farbe und Druckmaschinen gibt und Europa sich die Scheine selber herstellen kann.

Eine griechische Tragödie ist, wenn egal welche Wendung die Handlung nimmt, am Ende die Katastrophe steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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Sep
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Obama, das begabte Unglück der USA

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Dass Obama ein gewaltiger Redner ist, wussten alle, nur zu sagen hatte er in den letzten Monaten nicht allzu viel. Auch der Auftritt am 8.September vor dem Kongress hinterlässt einen schalen Nachgeschmack, weil da sichtlich einer am Werk war, der Meisterschaft in politischer Rhetorik mit hochgradigem praktischem Dilettantismus paart.

Möglichkeiten tatsächlich Fortschritte zu machen, lässt er aus, um dann mit großem Getöse Handlungen, die er längst hätte setzen können, einzufordern.

Das ganze Desaster um die Defizitreduktion hätte Obama verhindern können. Aber als es Zeit war, tat er nichts, und als der Wettlauf gegen die Uhr seinem Höhepunkt zusteuerte, setzten ihm die Republikaner den Stuhl vor die Tür: „Mit Obama zu verhandeln, ist wie mit Pudding reden.“ , hatte der Sprecher des Repräsentantenhauses John Boehner damals gemeint.

Die Debatte um die Defizitreduktion hat Obama gründlich vergeigt. Statt eine Gesamtkomposition zu erarbeiten, blieb alles Stückwerk. Nie hat er in dieser entscheidenden Phase gezeigt, was die Amerikaner Leadership nennen. Im Herbst vergangenen Jahres setze er eine überparteiliche besetzte Kommission - bekannt als Simson & Bowles – ein, und die erarbeitete und präsentiert im Jänner 2011 grundvernünftige und auch umsetzbare Vorschläge. Die besten Köpfe beider Parteien waren über ihre Schatten gesprungen und schlugen vor, was beiden Parteien weh tat, aber als gut fürs Land empfunden wurde.

Was tat Obama? Er ließ die Kommission im Regen stehen, schubladisierte deren Konzepte, stieß alle die an einem vernünftigen Fortschritt interessiert waren, vor den Kopf und tat dann einmal ausgiebig überhaupt nichts.

Als dann das Desaster beinahe eingetreten war, erging er sich in ausgiebigen Schuldzuweisungen und schob das Problem letztlich vor sich her. Der Kompromiss damals: ein 12köpfiges Superkomitee des Kongresses mit umfangreichen Kompetenzen wird eingesetzt. Es kann und muss bis Anfang November umfangreiche strukturelle Sanierungsschritte setzen.

Was tut Obama? Anstatt auf ein substanzielles auch vom Kongress gestütztes Paket hinzuarbeiten – das Komitee wäre das ideale Vehikel – setzt er auf politische Show, bringt einen neuerlichen Vorschlag, der in der Substanz keinen Fortschritt bringt, aber in der Inszenierung so tut als sei da einer, der das Land führe.

Das Obama´sche Stückwerk wird um einen zusätzliche Facette erweitert, diesmal trägt sie den klingenden Namen „American Jobs Act“.

Ultimaten statt Kommunikation

Das Ding hat überhaupt keine Chance im Kongress verabschiedet zu werden, vor allem deshalb, weil Obama gleich angekündigt hat: „Alles oder nichts“.Aus dem Vorschlag könne man sich nicht die Rosinen herauspicken, sondern unverändert sei es in seiner Gesamtheit zu akzeptieren: „Pass this Act now“.

Damit ist der Präsident 14 Monate vor der Zeit endgültig im Wahlkampf angekommen, mit realer Problemlösung hat das nicht zu tun. Wollte er tatsächlich ein Paket beschließen, hätte er vielleicht vorher mit den Republikaner im Repräsentantenhaus reden müssen, um sie einzubinden und für seinen Vorschlag zu gewinnen. Das hat Bill Clinton in seiner Amtszeit vorexerziert, als er mit einem von der anderen Partei kontrollierten Kongress erfolgreich Politik machte, ganz einfach weil er mit den Andersdenkenden kommunizierte und sie nicht permanent mit Ultimaten konfrontierte.

Obama bleibt der politische Phrasendrescher, der mit seiner faszinierenden Rhetorik das Weiße Haus eroberte, aber einmal dort angekommen nichts mit der verliehenen Macht anzufangen wusste.

Auf Obama trifft immer mehr die Beschreibung zu, die der österreichische Sozialphilosoph Norbert Leser für den kämpferischen Sozialdemokraten Otto Bauer gefunden hat. Bauer sei „das begabte Unglück“ der Partei gewesen, meinte Leser.

Obama erweist sich als „begabtes Unglück“ der USA.

 

Nachtrag 14.9.2011: Finanzminister Tim Geithern hat heute in einer Konferenz angekündigt, Präsident Obama werde nun doch die Simson & Bowles Vorschläge -siehe oben - aufgreifen. Details sollen am Monatg folgen.  Es bleibt zwar die Frage, warum er das nicht schon Anfang des Jahres gemacht hat, aber: besser spät als nie.....


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Medien voreingenommen

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Eine aktuelle Umfrage sagt: 68 Prozent der Wähler halten die Medien für voreingenommen. 44 Prozent glauben, Journalisten hielten keinen Distanz zu Politikern und seien zu freundlich zu ihnen. 57 Prozent der Befragten finden die Medienbranche sei schlicht unethisch.

Pulse Opinion Research hat die Befragung für das Nachrichtenportel The Hill durchgeführt.

Oder dachten Sie, es ist die Rede von österreichischen Medien und österreichsichen Politikern?


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Princeton, das Schulparadies

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Andere Länder, andere Schulsysteme: Den Unterschied zwischen österreichischen und amerikanischen Schulen machen die Lehrer.Spätestens seit Pisa wissen wir, im österreichischen Schulsystem läuft etwas fundamental falsch. An meinen zwei Kindern erfahre ich, was es ist. Ich sehe, wie anders sie in einem neuen System reagieren.

Von Alfons Flatscher, New York


Seit September besucht meine Tochter die John Witherspoon Middle School und mein Sohn die Princeton High School in New Jersey, und ich bin erstaunt, wie sich meine Kinder in diesem Umfeld entwickeln. David, der 15-Jährige, erzählt mir, das er in Mathematik im Moment 94 Prozent aller möglichen Punkte erreicht habe. »Aber wenn ich diese Hausübung noch mache, dann hab ich 100 Prozent.« Zunächst habe ich meinen Ohren nicht getraut, zu deutlich hatte ich seine Reaktion in Erinnerung, wenn ich ihn auf ein »Genügend« in einer Schularbeit im Wiener Wasa-Gymnasium angesprochen habe. »Papa, was willst du, es ist eh ein Vierer.« Wenn er dann mit lauter Vierern durch das Schuljahr gerutscht ist, schleuderte er mir den Satz abgewandelt entgegen. »Papa, was willst du, ich bin eh durch.«

Ein Jahr später kommt der selbe junge Mann zu mir, berichtet von einem Ergebnis, das er in einer fremden Sprache, in einem fremden Land, in einem völlig neuen System erreicht, und zeigt den Ehrgeiz, nicht nur die Bestnote, sondern die Bestnote mit der Maximalzahl an Punkten zu erreichen.

Was ist passiert? Den Unterschied machen Lehrer wie Mark Shelley, er unterrichtet meinen Sohn in Geschichte und er hat mir – und allen anderen Eltern – seit Schulbeginn 28 Mails geschickt. In jedem beschreibt er die Aufgaben und die Projekte, die in den nächsten Tagen und Wochen zu erledigen sind, er erinnert an Hausaufgaben, die noch nicht  abgegeben wurden, und immer wieder betont er, wie viel Freude es ihm macht, meinen Sohn in seiner Klasse zu haben. »Mit diesen Kindern zu arbeiten macht Freude«, schreibt er. Mark investiert Zeit, um die Eltern im Detail zu informieren, was die Kinder gerade lernen, er motiviert, und er zeigt, Lernen macht Spaß!

Die Ansage wirkt.

Als ich jetzt Anfang Jänner in Princeton aufgebrochen bin, um nach Wien zu fliegen, fragt mich meine 13-Jährige, die noch vor wenigen Monaten gezittert hat, ob sie den Umstieg wohl schaffen würde: »Gell Papa, wir müssen nicht nach Österreich zurück.« Als ich nachfrage, warum sie denn in den USA bleiben wolle, antwortet sie: »Weil mir die Schule so gut gefällt.« Was anders sei als im Wiener Musikgymnasium, will ich wissen: »Hier werde ich viel mehr gelobt.«

Und ich versuche mich zu erinnern, ob ich je von einem österreichischen Lehrer ein E-Mail bekommen habe und ob einmal ein Lob für die Leistungen meiner Kinder gekommen ist.


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Außerirdischer Amtsschimmel

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Akte grovers Mill: Was sich bei der Motorvehicle Authority abspielt, kann nicht irdischen Ursprungs sein.Wer über den heimischen Bürokratiedschungel lästert, ist noch nie in die Verlegenheit gekommen, in den USA ein Auto anzumelden. Ein Erlebnisbericht.

Von Alfons Flatscher, New York


Grovers Mill in West Windsor ist ein historischer Ort und die Nachricht von den Ereignissen, die dort angeblich niemals stattfanden, versetzte die ganze Welt in Angst und Schrecken. Außerirdische seien hier gelandet, verlautbarte ein Radiosender und eine Massenhysterie war die Folge. Dann wurde behauptet, es sei nur ein von Orson Welles produziertes Hörspiel mit dem Titel »Der Krieg der Welten« und keine Nachrichtensendung gewesen. Heute steht in Grovers Mill gleich beim Van Nest Park ein Denkmal, das an jene Radiosendung erinnert, gleich in der Nähe befindet sich die MVA, die Motorvehicle Authority, und wer dort je zu tun hatte, dem kommen Zweifel: Vielleicht ist es doch wahr, vielleicht sind doch Wesen von einem anderen Stern hier gelandet und beginnen im Gewand der gnadenlosen Bürokraten Herrschaft über das Land zu gewinnen.

Wer in dieser Gegend einen Führerschein will und ein Auto anmelden muss, kommt an der MVA in Grovers Mill nicht vorbei. Jeder braucht dort einen Führerschein und jeder braucht ein Auto, es ist das Fortbewegungsmittel, ohne das dort keine Existenz möglich ist. Also ist die MVA eine Behörde mit einer ungeheuren Macht, sie entscheidet über Sein oder Nicht-Sein.

Ich hatte eine Gnadenfrist, drei Monate konnte ich mich mit meinem österreichischen Führerschein und mit meinem aus Österreich mitgebrachten Auto fortbewegen, aber die Stunde der Wahrheit kam, und ich machte mich auf zur MVA nach Grovers Mill, ein erstes Mal, und scheiterte. Ich hatte meinen Pass mit meinem Journalistenvisum dabei, den Kaufvertrag für mein Häuschen, die Bankkarte für das frisch eröffnete Konto, aber dem strengen Beamten war das nicht genug. Um die 6-Punkte-Identitätsprüfung zu bestehen, fehle mir die Sozialversicherungsnummer, erklärte er und sah dabei streng über den Rand seiner ganz auf der Nasenspitze sitzenden Brille. Ich versuchte dem Beamten zu erklären, ich sei Journalist, beziehe mein Einkommen aus Europa und brauche daher gar keine US-Sozialversicherungsnummer. Chancenlos! Ich müsse nach Trenton, die Hauptstadt New Jerseys, zur Sozialversicherungsbehörde eine Nummer beantragen. »Aber mit einem Journalistenvisum krieg ich die nie im Leben«, bettelte ich um Verständnis. »Dann bringen Sie uns das Ablehnungsschreiben. Wir brauchen es amtlich.« Diskutieren war sinnlos, also machte ich mich auf nach Trenton, stellte einen Antrag, von dem ich wusste, dass er abgelehnt werden würde, und eine Woche später war ich wieder in Grovers Mill, mit einem amtlichen Wisch in Händen, der mir bestätigte, legal sozialversicherungsnummerlos zu sein.

Diesmal wachte eine andere Beamtin über den Einlass. Sie sah aus, als gehörte sie der ersten Generation der aus dem Raumschiff von Orson Welles entstiegenen Aliens an. Sie kontrollierte meinen Pass, sie kontrollierte meine Bankkarte, sie kontrollierte den Kaufvertrag meines Hauses, sie kontrollierte das Ablehnungsschreiben der Sozialversicherung — und dann rief sie die Vorgesetzte, die ihre Enkelin hätte sein können. Die kontrollierte alles noch einmal und befand, mir fehle immer noch ein Punkt auf die sechs notwendigen Punkte beim Identitätscheck. Meine Wohnadresse könne ich nicht nachweisen. Völlig eingeschüchtert von so viel Autorität wandte ich ein, dass ich doch den Kaufvertrag für das Haus, in dem ich wohnte, dabei habe. »Ja, aber Sie könnten das Haus ja gekauft haben, ohne dort zu wohnen.« Sie hatte recht, zweifelsfrei, aber bitte, wie bestätigt man in einem Land, in dem es kein Meldewesen gibt, seine Wohnadresse? »Bringen Sie mir eine Rechnung, die Sie an dieser Adresse empfangen haben.« Aber ich hätte Gas-, Strom und Wasser erst umgemeldet und ich wisse nicht, wann ich dort die ersten Rechnungen erhielte. »Ein einfacher Brief genügt auch«, zeigte sie Milde und als ich immer noch nicht verstand, setzte sie nach: »Schreiben Sie sich halt selber einen Brief an diese Adresse.«

American Water, der Wasserversorger der Gegend, rettete mich vor der Peinlichkeit, mir selbst einen Brief schreiben zu müssen. Im dritten Anlauf schaffte ich die Identitätsprüfung, der Cerberus ließ mich durch, bis zur Anmeldung hatte ich es geschafft, und nun ging alles ganz schnell. Ein Foto wurde gemacht, 70 Dollar bezahlt, und ich erhielt einen Berechtigungsschein. »Damit gehen Sie raus, nächste Tür links ins Testzentrum.« Ein leicht triumphierendes Gefühl machte sich breit, ich stellte mich im Testzentrum an, präsentierte siegesgewiss meinen Schein und war in der Erwartung, dass jetzt mein österreichischer Führerschein umgeschrieben werden würde. Aber der Außerirdische hinter dem Schalter meinte nur: »Computer zwei ist frei, nehmen Sie Platz für den Test.«

»Welcher Test?!«, fragte ich, »ich habe auf Ihrer Website gelesen, dass europäische Führerscheine anerkannt sind und nur umgeschrieben werden müssen.«

»Auf unserer Webseite steht so viel Unsinn.« Am Test führe kein Weg vorbei. Ganz unvorbereitet war mir das doch zu viel. Ob es denn Lernunterlagen gebe, die ich mir kurz anschauen könnte, fragte ich. »Ja, gleich da hinten sind die Lehrbücher, aber die sind alle auf Spanisch.« Ganz schön einfallsreich, diese Außerirdischen ...


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Google, Zillow und Co

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mein nachbar, ein offenes Buch: Tratsch war gestern, heute steht alles bereits im Internet.Google Earth liefert die Bilder, Zillow die Zahlen und Facebook das Persönliche. Bald weiß ich mehr über meine Nachbarn, als ich je wissen wollte.


Adrett im Business-Kostüm stand die resolute Dame vor meiner Haustür in Princeton und begehrte Einlass. Sie wolle mein Haus besichtigen, erklärte die Mittvierzigerin, und als sie mein verdutztes Gesicht sah, erklärte sie mir auch, warum. Sie plane ihr Haus zu verkaufen und habe dabei festgestellt, dass ich meines weit unter jenem Wert erworben hätte, den sie für ihre Liegenschaft veranschlage. Dafür müsse es einen Grund geben, und den wolle sie herausfinden, also müsse sie sich mein Haus anschauen. Sie müsse gar nicht, aber vor allen Dingen müsse ich nicht, entgegnete ich. Sie ließ nicht locker und lieferte weitere Details: Sie wohne in derselben Straße nur fünf Blocks weiter, habe ihr Haus vor fünf Jahren erworben und habe so viel bezahlt wie der Vorbesitzer meines Reihenhäuschens.

Jetzt hatte sie mit ihrem Detailwissen mein Interesse geweckt, und als die Unbekannte meinen Keller inspizierte, erfuhr ich mehr über mein Haus und entdeckte, das ist keine Tratschtante, die zu viel Zeit bei ihren Nachbarn verbringt. Sie nutzt Zillow.com und kann für jedes Haus nachlesen, wie viel es gerade wert ist. Das Haus am Anfang der Straße kostet 562.000 USD, der Nachbar schräg gegenüber, ein freundlicher Russe, hat 538.000 USD gezahlt. Und: In der Gegend werden gerade fünf Häuser zum Kauf angeboten, und eins ist vor kurzem verkauft worden. Erst vor zwei Tagen ist ein Objekt in der Parallelstraße auf den Markt gekommen, das schon im Mai 2006 vom jetzigen Besitzer erworben wurde. Jetzt will der um 625.000 USD verkaufen. Zillow.com hält das nicht für aussichtslos, aber die Preisbandbreite schwankt zwischen 480.000 und 633.000. Jedenfalls wartet die Nachbarschaft gespannt, denn er hat es schon einmal vor einem Jahr probiert. Genau am 5. Juli 2010 hat er das Haus in der Leigh Avenue 97 um 625.000 auf den Markt gebracht und am 4. Dezember wieder vom Markt genommen. Jetzt startet er einen neuen Versuch. Davor war das Haus im Jahr 2005 um 310.200 USD verkauft worden, und der jetzige Besitzer hat es dann am 2. Mai 2006 um 455.000 USD erworben.

Laut Zillow.com haben die Häuserpreise in den vergangenen 30 Tagen um rund 28.500 USD zugelegt, also könnte mein Nachbar, wenn der Trend anhält, Glück haben.

Ich lerne an diesem Tag enorm dazu, und das Schöne ist, alles, was mir die resolute Nachbarin erzählt, kann ich später online nachlesen. Als Journalist weiß ich das zu schätzen, ich muss nicht mitschreiben.

Also: In meinem Township leben 16.762 Menschen, davon sind 4.680 nicht in den USA geboren. Rund drei Viertel sind Weiße, 14 Prozent Asiaten, fünf Prozent Afroamerikaner. 52,8 Prozent sind Akademiker und weitere 25,5 Prozent haben den Titel des Bachelors erworben.

Das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Jahr beträgt 105.662 USD. Nur habe ich in all dem Datenwust noch nicht herausgefunden, was mein russischer Nachbar, von dem ich weiß, was sein Haus wert ist, nun tatsächlich verdient.

Aber mit großer Wahrscheinlichkeit steht demnächst ein anderer Nachbar vor der Tür, der mir erzählt, was ich verdiene und was meine Kinder so treiben. Das weiß er, weil er auf Facebook ist und es irgendwie geschafft hat, auf die Liste der Freunde zu kommen.


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Samthandschuhe abgelegt: Schulen, die in drei aufeinander folgenden Jahren unter den schlechtesten fünf Prozent aller Schulen liegen, werden zugesperrt.Während die halbe Welt das Urteil der Rating-Agenturen fürchtet, atmet der Bundesstaat Ohio auf. Standard & Poors stellt ein gutes Zeugnis aus und erhöht das Rating.


Die Nachricht ist außergewöhnlich, weil in den vergangenen Monaten immer dann, wenn sich Rating-Agenturen Staatsfinanzen angeschaut haben, sofort der schockierende Begriff »Downgrade« im Raum stand. Ohio erlebt jetzt ein »Upgrade« und schwimmt damit gegen den Strom. Die gute Nachricht kam am Tag, nach dem Gouverneur John Kasich das Budget der Jahre 2012 und 2013 abgesegnet hatte. Es sieht einen ausgeglichenen Haushalt vor, reduziert Ausgaben dramatisch und schlachtet einige heilige Kühe. Vor allem die Beamtenschaft bekommt die Härte zu spüren. Der Republikaner Kasich argumentiert das trocken: »Wir haben zu viel Verwaltung und zu wenig Geld.« In einem eigenen Reformbuch beschreibt das Team um Gouverneur Kasich und Budgetdirektor Tim Keen  die Vorgangsweise: »Mehr als ein Dutzend staatliche Dienste arbeiten nebeneinander, tun dieselben Dinge, ohne erkennbaren Nutzen für die Bürger.« Deshalb wird entrümpelt, veraltete, redundante zum Teil kontraproduktive  Regelungen werden ersatzlos gestrichen.

Die Schulbürokratie wird gestrafft,  »Schüler und nicht Bürokraten« sollen im Mittelpunkt stehen.

Dem Budgetbeschluss ging eine Kraftprobe der Regierung mit den Lehrergewerkschaften voraus, denen die Kollektivvertragsfähigkeit abgesprochen wurde. Das heißt, wenn es um Lehrerverträge geht, hat die Gewerkschaft keinen Platz mehr am Verhandlungstisch und im Umgang mit den Pädagogen werden die Samthandschuhe abgelegt. Standardisierte Tests vergleichen das Schulniveau. Die laufenden Rankings werden öffentlich zugänglich gemacht, so dass nachvollziehbar wird, welche Schule was leistet, »damit das Beispiel der Guten Schule macht und so auf das ganze System ausstrahlt«, erklärt der Gouverneur und zitiert Microsoft-Gründer Bill Gates: »Wir müssen die Dynamik nutzen, die entsteht, wenn jeder von den Besten lernt und sich weiterentwickelt.«

Das Rating kann  aber auch ins Aus führen: Schulen, die in drei aufeinander folgenden Jahren unter den schlechtesten fünf Prozent aller Schulen liegen, werden zugesperrt. Direktor und Lehrer verlieren ihren Job. »Schüler und ihr Erfolg stehen im Zentrum aller Aktivitäten. Alle Verträge, alle Konzepte, die gesamte Kommunikation, das Schuldesign, alle Aktivitäten werden nach einem einzigen Kriterium beurteilt: Helfen sie den Schülern, erfolgreicher zu sein?«

Dabei werden die Tore des miefigen Schulsystems weit aufgerissen, indem aktiv Quereinsteiger rekrutiert werden, die andere Berufserfahrungen gemacht haben. Sie sind ein Schlüssel für eine Schule, die möglichst breite Lebens- und Berufserfahrungen aufnimmt. Eine eigene Agentur rekrutiert, bildet aus und begleitet die Neolehrer.

Mit weniger Geld mehr erreichen ist das Ziel, argumentiert Ohio, und die Ratingagenturen schätzen das. Sie stufen hoch und machen damit die für Anleihen zu bezahlenden Zinsen billiger. Das detaillierte Programm, die offensive Argumentation haben  sich jetzt schon ausgezahlt.



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Aug
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Die Amish, der Bischof und die Regeln

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
Dr. Alfons Flatscher
Alfons Flatscher ist Journalist und Herausgeber, der vor mittlerweile 15 Jahren
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in USA: Zwischenrufe aus Übersee

von den Amish lernen – aber anders, als vielleicht ursprünglich gedacht.Die Amish leben ohne Handy, Facebook und Co, sie leben ohne Strom – so wie vor 300 Jahren. Aber sie beherrschen, was im Umgang mit der Obrigkeit unentbehrlich ist: die Auslegung von Regeln.


Laptop, iPhone, Facebook und Co – die Teens sind fest verankert im Zeitalter des Internet. Wenn meine Kinder etwas ausgefressen habe, nehm ich ihnen für einen Tag, ein Wochenende, in schlimmen Fällen eine Woche ihr Handy und/oder ihren Laptop weg. Das hat die Wirkung noch nie verfehlt. Sie sind abhängig von ihrer Elektronik und das nutze ich weidlich aus, um durchzusetzen, was ich für pädagogisch wertvoll halte. Jetzt wollte ich ihnen zeigen, dass es auch anders geht, dass es eine Welt außerhalb unserer Realität gibt. Wir haben uns ins Auto gesetzt, sind drei Stunden lang ins tiefste Pennsylvania gefahren und mitten im Amish-Land gelandet, dort, wo man heute noch so lebt wie vor 300 Jahren, oder sagen wir: fast so. Kein Strom, kein Auto, keine Elektronik, Leben in Einfachheit und Gottgefälligkeit – das wollen die Amish, deren Wurzeln ins 16. Jahrhundert im Elsaß und in der Schweiz zurückreichen und die untereinander Pennsylvania-Deutsch sprechen, das sich so anhört wie eine Kreuzung aus Vorarlbergerisch und Holländisch.

Doch die geplante pädagogisch wertvolle Reise entwickelte sich anders als erwartet. Denn was zeigen sollte, was einfaches Leben bedeutet, geriet zu einem Lehrstück in kreativer Regelauslegung, in dem die Obrigkeit zwar nicht ignoriert, aber doch ziemlich an der Nase herumgeführt wird. Die Amish rund um Turbotville haben einen sehr praktischen Weg gefunden, ihr Fortkommen zu sichern – und das im wahrsten Sinnes des Worte. Der Bischof, das durch Los bestimmte Oberhaupt des jeweiligen Clans, legt fest, was die Gemeindemitglieder dürfen und was nicht, er hat absolute Macht. Wenn er vorschreibt, dass Traktoren gut sind, aber Pferdekutschen nicht, dann gilt sein Diktum. Wenn er vorschreibt, dass Hosenträger nur über Kreuz getragen werden dürfen, dann hat das Geltung. Wenn also ein neuer Bischof auf Lebenszeit per Los bestimmt wird, kann die Gemeinde nur beten, dass nicht der Dorftrottel gewinnt.

Der Amish-Bischof von Turbotville etwa hält Fahrräder für Teufelswerk, während Roller durchaus akzeptabel sind. Deshalb sieht man in der Gegend Erwachsene mit Strohhut, Leinenhemd und schwarzer Weste auf Rollern mit überdimensionalen Rädern auf den Straßen. Eigentlich verwenden sie Fahrradreifen, die sie mit einem Trittbrett und Lenkgestänge verbinden. Sie beweisen damit, dass sie die Macht des Bischofs respektieren, aber dennoch ihre individuellen Antworten finden. Das gilt auch für Autos , die in einem derart riesigen Land ohne funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz unabdingbar sind. Amish dürfen keine eigenen besitzen, aber mitfahren dürfen sie – und so hat jeder der »normalen« Bauern der Gegend eine Amish-Familie quasi adoptiert. Gute Nachbarschaft ist eben ein religiöses Grundprinzip und es sichert die komfortable Fahrt zum nächstgelegenen Einkaufszentrum.

Der Amish-Bischof von Turbotville etwa hat auch bestimmt, dass die Bauernhöfe seiner Gemeinde nicht mit der Außenwelt verbunden sein dürfen, sprich: Telefonanschlüsse und Stromleitungen sind untersagt, weil die Netze eine körperliche Verbindung mit den anderen darstellen. Jacob, der Bauer, den wir besuchten, hat sein Telefon deshalb in einem kleinen Wetterhäuschen untergebracht, und zwar am Grundstückrand, auf öffentlichem Besitz, nicht auf dem eigenen. Und sein Sohn, kaum 20, aber mit Vollbart, steht abends immer dort und ist mitteilsam.

Jacob  hat den Bischof auch beim Strom wörtlich genommen: Sein Hof hängt nicht am Netz, aber im Stall steht eine Dieselgenerator, der die Melkmaschinen und die Förderbänder betreibt. Im Wohnhaus hängen die Petroleumlampen und das Gebot, einfach zu leben, wird eingehalten. Vom einfachen Arbeiten hat der Bischof offensichtlich nichts gesagt.
Auf der Heimfahrt waren meine Kinder erstaunlich gut gelaunt und ich wurde den Verdacht nicht los: Sie hatten etwas gelernt, etwas, das seit Hunderten Jahren unverändert gültig ist: Keine Regel ist so gut, dass sie nicht umgangen werden könnte ...


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Aug
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The Austrians

Geschrieben von Dr. Alfons Flatscher
Dr. Alfons Flatscher
Alfons Flatscher ist Journalist und Herausgeber, der vor mittlerweile 15 Jahren
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in USA: Zwischenrufe aus Übersee

Nach dem überraschenden Erfolg des republikanischen Kandidaten Ron Paul bei den Vorwahlen in Iowa spielen die Austrians eine unerwartete Rolle. Paul ist ein erklärter Anhänger der Austrian School of Economics.

Hand aufs Herz: Welcher Österreicher weiß, wovon Ron Paul spricht?

Der pensionierte Arzt Paul beruft sich in seiner scharfen Kritik der FED immer wieder auf Ludwig von Mises, der mit seinem Werken über Geld und Währungsstabilität schon in den 20er Jahren des vergangen Jahrhunderts von Wien aus ein strenger Mahner gegen den Einsatz der Druckmaschinen war.

"Sound money" heißt der Schlachtruf von Ron Paul, der anders als sein Texanischer Mitbewerber um das Präsidentenamt, Rick Perry, den Chef der Notenbank zwar nicht des Hochverrats beschuldigt, aber: "Ein  Geldfälscher ist er schon." Schließlich macht er aus (fast) wertlosem Papier und (fast) wertloser Farbe Banknoten in bisher unbekannten Mengen.

 

 

 


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